Tanzlexikon

Cha Cha Cha

Cha Cha Cha ist ein Gesellschafts- und Turniertanz im 4/4-Takt.

Der Cha Cha Cha wurde in den 50er Jahren von dem Kubaner Enrique Jorrín aus Danzón und Mambo entwickelt. Jorrín verwendete die Silben “Chachachá” in einigen Danzóns zur Betonung der Synkope zwischen den Taktteilen 4 und 1. Auf diesen Taktteilen liegt auch die Hauptbetonung der Schritte im Cha Cha Cha. Anstatt des einen Seitschrittes im Mambo werden hier drei Schritte getanzt. Dieser schnelle Wechselschritt verursachte laut Jorrín ein scharrendes Geräusch, das für ihn wie cha cha chá klang und das er als rhythmische Gesangseinlage in einige seiner Lieder einbaute. Dieses Geräusch und die daraus resultierende rhythmische Zählweise 2 3 Cha-Cha-Cha waren letztendlich namensgebend für den Tanz.

Der Cha-Cha-Cha ist ein munterer Publikumstanz, der die Freude am Tanz mit aufgeweckten, heiteren und unbeschwerten Kombinationen widerspiegelt. Der Reiz des Cha-Cha liegt in den schnellen Änderungen der Tanzhaltung und Geschwindigkeit und in schwungvollen Drehungen. Der Cha-Cha ist wie ein Flirt der Tanzpartner mit dem Publikum und gehört zu den beliebtesten lateinamerikanischen Tänzen Europas.

Er ist vorwitziger als die verträumt-erotische Rumba, aber weniger aufreizend als die überschäumende Samba. Die kubanische Variante ist insgesamt ruhiger und weicher.

Rumba

Heutzutage wird die Rumba als lateinamerikanischer Gesellschafts- und Turniertanz im 4/4-Takt getanzt. Als der Tanz der Liebe stellt er sich mit seinen weichen bis harten, langsamen bis schnellen Aktionen, die einmal in Bewegung gesetzt jetzt nicht mehr enden, dar. Die langsame Rumba läßt viel Bewegung und Spiel zwischen den Tanzenden zu und ist somit ein interessantes Spiel der Gefühle. Über den englischen Stil wurde die Rumba dann in das Turnierprogramm der lateinamerikanischen Tänze aufgenommen.

Rumba ist in Kuba der Oberbegriff für drei sehr verschiedene Rhythmen: yambú, columbia und guaguancó. Der yambú ist ein heute ziemlich aus der Mode gekommener Paartanz. Die columbia dagegen, gibt als reiner Männertanz Raum für akrobatische Choreografien. Und schließlich ist das, was in Europa heutzutage als Salon-Rumba bekannt ist, nichts anderes als eine Version des kubanischen guaguancó. Die alten schwarzen Musiker in Kuba bestehen auf der Feststellung, dass der guaguancó ursprünglich überhaupt kein Paartanz war, sondern vor allem ein Gesang; so etwa wie eine klingende Zeitung. Der Guaguancó-Sänger unterhielt sein Publikum mit gesungenen Geschichten und Anekdoten, er kommentierte mit deftigem Humor politische Ereignisse und Skandale, er karikierte Aufseher, weiße Herren und Politiker oder plauderte über Klatsch und Tratsch aus dem Stadtviertel, dem barrio. Erst seit Anfang dieses Jahrhunderts wurde dem gesungenen Teil des guaguancó ein getanzter Teil mit einer recht anzüglichen und liebevollen Form zugefügt. Ursprünglich spielte man die Rumba mit Trommeln. Als diese jedoch in der Kolonialzeit verboten wurden, wich man auf Kabeljau-Kisten (cajones), Schubladen oder ähnliches aus. Die cajones ersetzten die Trommeln vorzüglich, da sie aus einem Holz gefertigt wurden, das beim Trommeln einen schönen sonoren Klang hervorbrachte. Deshalb wurden sie auch nach der Aufhebung des Trommelverbots gerne weiterbenutzt. 

Eine Rumba beginnt immer mit dem “Alarm”, den die Claves (zwei Klanghölzchen) schlagen und der von einem lalaleo der Sänger begleitet wird, sozusagen das Zeichen für die Anwesenden, dass das Fest nun beginnt. Nachdem der oder die Vorsänger einen Satz oder einen längeren Text improvisiert haben, wiederholt der Chor den Refrain immer wieder, bis sich die Trommler in komplizierte rhythmische Strukturen steigern, wonach der Tanz beginnen kann.

Samba

Der Samba auf die Spur zu kommen heißt, ein Teil der Wurzeln afrikanischer & brasilianischer Geschichte freizulegen. Wenn wir weit zurück gehen in der Geschichte, wo die Menschen noch der Natur zugeordnet waren und weniger den Städten und Orten, so kommen wir zu den wahren Ursprüngen der Samba. Als in der Vergangenheit die Menschen noch tanzten um den Regen zu beschwören, die Erde fruchtbar zu machen und den Respekt vor dem Alter zu erweisen. Aus solch einer Tanzform leitete man die Samba ab. Als Vorgänger der heutigen Samba gilt die brasilianische Samba und die Samba de Roda (ein Kreistanz) der als Ausgangstanz für die heutige moderne Samba bezeichnet wurde. Diese sich wiederum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Rio de Janeiro zu einem eigenen musikalischen Genre entwickelte und schließlich zu einer der populärsten Arten von Musik auf der Welt geworden ist.

Das Wort Samba selbst stammt aus Angola, wo der Ausdruck Semba in der Sprache der Kimbundu sich auf die Berührung des Bauchnabels als Aufforderung zum Tanz bezieht. Mit der Verschleppung der Sklaven aus Angola um 1538 kamen wohl die ursprünglich in Angola beheimateten Tänze und Rhythmen in den Norden Brasiliens. Heutzutage ist die Samba ein Gesellschafts- und Turniertanz im 2/4-Takt.
Erst nach dem 2.Weltkrieg nahmen die Tanzschulen die Samba mit Erfolg in ihr Programm auf. 1959 wurde Samba dann in das Turnierprogramm der lateinamerikanischen Tänze aufgenommen. Samba, auch der Tanz der tausend Rhythmen genannt, stammt aus der brasilianischen Musik und gehört in seiner europäischen Variante zu den fünf  lateinamerikanischen Tänzen. Dieser hat kaum noch etwas mit der ursprünglichen brasilianischen Tanzform gemein. Die Samba mit ihrem Carnaval Charakter bringt Spaß und Party pur, gefühlt auf eine Reise gehen und den Zauber Südamerikas erleben.

Jive

Und los geht es mit einer Frage: Was ist fröhlich, lustig bis verrückt, aufgeweckt, spritzig und voll mit Möglichkeiten?

Richtig: der „Jive“ –  er ist ein Gesellschafts- und Turniertanz im 4/4-Takt, der vielfältige verwandte Vorläufer afroamerikanischen Ursprungs hat. Dazu gehören zu Beginn der 1930er Jahre Lindy Hop, Blues, Swing, in den 1940ern der Boogie Woogie gefolgt in den 1950ern vom Rock ‘n Roll. Charakteristisch für alle diese Tanzformen war und ist heute noch die stimulierende Musik.

Amerikanische Soldaten brachten die in den USA beheimateten Tänze um 1940 nach Europa, wo sie bei der Jugend schnell sehr beliebt wurden. Der Boogie wurde nach dem Krieg zur dominierenden Musik. Als „ordinärer“ Tanz fand er aber nicht nur Freunde. Tanzpapst Alex Moore äußerte sich, dass er nie zuvor etwas „grässlicheres“ gesehen hatte. Englische Tanzlehrer entwickelten, mit etwas langsamerer Musik, den eleganten und doch lebendigen Jive. 1968 wurde er als fünfter Turniertanz zu den lateinamerikanischen Tänzen aufgenommen, seit 1976 gehört der Jive zum Welttanzprogramm.

Slowfox

Der Slowfox basiert auf gleichmäßigen Gehbewegungen die feierlich und von berührender Lockerheit und Unbeschwertheit sind. Auf dem Parkett hat er die Bewegung einer Welle als Vorbild. Das Paar befindet sich in einem ständigen heben und senken, ist aber fließend und weniger fallend. Wie eine Welle, die sich langsam aufbaut und seicht bricht. Slowfox ist neben Quickstep der einzige Swingtanz unter den Standardtänzen.

Er kommt in seiner ursprünglichen Form aus Nordamerika, dem Entstehungsort der Swingtänze. Englische Tanzlehrer und Choreografen formten diese etwas ländlichen Schritte neu um und schufen gleich zwei Tänze, den lebendigen Quickstep, sowie den langsamen Slowfox, der in seiner Bewegung vielmehr dem nordamerikanischen Boston ähnelt, aber im Dreivierteltakt getanzt wurde. Deshalb ist beim Slowfox auch die Zahl 3 dominierend, welches wiederum bedeutet, das es einen langsamen Schritt gibt, der über zwei Zählzeiten geht und zwei schnelle, da Slowfox freilich einen 4/4-Takt hat, wie alle Swingtänze. Die Choreografen formten den Slowfox als einen typischen Tanz der Oberklasse, mit leichten, anmutigen Bewegungen und wellenförmiger Optik.

Nach 1945 wurde Slowfox recht bald den Standardtuniertänzen hinzugefügt und erfreut sich seit dem geteilter Beliebtheit. Turniertänzer begrüßen seine gleichmäßigen, langsam- getragenen Bewegungen, weil diese sehr intensiv melodisch interpretiert werden können und auch müssen, damit der Tanz nicht zu fade wirkt. Eleganz, Ruhe und Gefühl bestimmen den Charme der „ Goldenen 20`er “ und lassen den Slowfox anmutig erscheinen.

Quickstep

Der Quickstep wird nach einem bekannten Zitat als der “Sekt” unter den Standardtänzen beschrieben. Dem Charakter nach ist er leicht, prickelnd, sogar aufregend und macht nach reichlichem Genuss aber sehr müde. Diese humorvolle Definition ist hinreichend präzise, und man kann diesem nur rechtwenig hinzufügen. Der Quickstep ist mit Sicherheit der lebendigste Tanz seiner Klasse.

Der Quickstep entstand ursprünglich in den USA, aus dem Onestep und dem Rag, seinen tänzerischen Vorfahren. Diese waren eigentlich reine Marschtänze ohne Chasses oder seitliche Bewegungen. Der Onestep fand seinen Weg nach Europa, in etwa zur selben Zeit wie der 1. Weltkrieg, und fand dort gewaltige Anhängerschaften.

Auch in Deutschland, wo man ihn aber weitestgehend als “Schieber”  bezeichnete. Aus ihm entstand zunächst der bekannte Foxtrott, welcher nun sowohl über Gehbewegungen, Seitwärtsschritten und Drehungen verfügte. Nach dem 2. Weltkrieg fand eine diskrete Aufspaltung statt, man unterschied nun zwischen drei Arten. Der anspruchsvolle Slowfox galt als der anmutigste, der mittelschnelle Foxtrott als der eingänglichste und bodenständigste aller dieser Tänze, und der Quickstep als lebendigster. Dieser Quickstep entstand, als man begann den Foxtrott immer schneller und synkopierter zu interpretieren, dabei wuchsen die Umlaufgeschwindigkeiten und man brauchte eine spezielle Choreographie, die dann diesen Tanz schuf. Seit 1948 ist Quickstep ein bedeutender Part eines jeden Standard Turniers und wird leidenschaftlich getanzt.

Tango

Beim Tango geht es um sämtliche Aspekte einer gereiften Beziehung: Liebe, Zärtlichkeit aber auch Leidenschaft, Eifersucht, Hassliebe und sogar Abscheu gehören mit dazu. Welche Geschichte nun das Tanzpaar wählt, ist abhängig von dem Lied, sowie natürlich von den Charakteren der Tänzer. Im Ganzen kann man sagen, dass sich der Tango vom Tango Argentino deutlich in seinem dramatischen Hintergrund unterscheidet, er ist lebhafter, leidenschaftlicher, aber nicht so tiefgründig und schwermütig. “Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann”, sagte der argentinische Tango-Komponist Enrique Santos Discépolo.

Die Geschichte des Tango ist sehr eng mit der Geschichte seines Entstehungsortes, nämlich die Siedlungsgebiete rund um den Rio de la Plata in Südamerika, verbunden. Spanische Siedler siedelten erstmals in dieser Gegend, später trafen mehrere große Einwanderwellen aus Europa ein, besonders aber aus Italien und Polen. Die entsprechenden kulturellen Eigenarten verschmolzen dort zu einem Kaleidoskop an Bräuchen und Eigenarten. Spanische Musik, vor allem Formen der Habanera kamen nach Uruguay und Argentinien. In den sich bildenden Slums der Städte wurde diese Musik in sentimentalerer Weise als Klagelied wahrgenommen. Der Tango Argentino war geboren, bald schwappte dieser Tango Argentino zurück nach Europa, wo er aber nicht viele Anhänger fand (dies sollte sich jedoch in einigen Jahren erheblich ändern). In England wurde dann der Tango umgebaut , man machte ihn leidenschaftlicher, weit weniger trauernd und sentimental. In den 60ern wurde der Tango den Standardtuniertänzen hinzugefügt und gehört seitdem zu den sehr beliebten Tänzen.

Walzer

Der Walzer (Wanderschaft) bis hin zu ‘sich waltzen’ (drehen) – so lautet die Definition. Die Geschichte des Walzers lässt sich bis ins 12./13. Jahrhundert zurück verfolgen. Er entwickelte sich aus paarweise getanzten Dreh – und Werbetänzen sowie dem Menuett. Der ‘Wilde Weller’ war ein ungezügelter, wilder Tanz und wurde deshalb immer wieder verboten. Die geschlossene Tanzhaltung und die Drehfiguren waren damals nur der Schluss. Der Weller war ein Tanz der einfachen Leute und eroberte ganz Deutschland. Als Volte (frz. Walzer) gelangte er bis nach Paris und London. Dort wurde er auch von der vornehmen Bürgerschaft und am Hofe getanzt. Dieser Vorstoß in die High Society währte nur kurz. Recht bald kehrte der Adel zu den alten Schreittänzen zurück. Um 1770 war eine Zeit in der die Menschen den alten Konventionen den Rücken kehrten. Die Schreittänze wurden verdrängt und der Walzer erlebte seine Wiederauferstehung. Während das einfache Volk den derben Weller tanzte, wurde zuerst am Wiener Hof das Menuett von einem kultivierten Walzerstil abgelöst. Auf dem Wiener Kongress von 1814/15 setzt sich der Wiener Walzer endgültig durch. Das 19. Jahrhundert tanzte im Dreivierteltakt. Das sich der Walzer durchsetzte, obwohl er als nicht hoffähig galt, wird als Indiz für ein neues Lebensgefühl angesehen. Der wohl berühmteste Komponist ist Johann Strauss (Sohn). Bis etwa 1910 galt der Wiener Walzer als beliebtester Tanz im Ballsaal.
Ein weiterer Durchbruch beim Wiener Walzer erfolgte 1951 mit der Aufnahme in das Welttanzprogramm. In diesem Jahr wurde der Wiener vom Drehtanz zum Schwingtanz umgeschrieben. Die Choreographie wurde von Karl von Mirkowitsch und Paul Krebs erstellt und ist die Form, die heute in den Tanzschulen gelehrt wird.